Das Engagement Deutsch-(Afghanischer) NGOs in Afghanistan

Motivation/Hintergrund: Unbestritten ist, dass die Situation in Afghanistan neben lokalen Entwicklungen stark von transstaatlichem bzw. transnationalem Engagement vielfältiger Akteure geprägt ist, sowohl auf politischer, militärischer Ebene aber auch durch den Einsatz Nicht-Regierungsorganisationen bis hin zu Privatpersonen und Familienmitgliedern. Oft übersehen, aber von großer Relevanz ist das Engagement der Menschen aus Afghanistan, die ins Ausland ausgewandert sind und die ihre Familie als auch Communities vielfältig unterstützen bspw. finanziell und durch Projekte. Während das Engagement zwischen den Staaten Deutschland und Afghanistan mehrfach dokumentiert wurde liegen kaum Kenntnisse über das zahlreiche Engagement von Nicht-Regierungs-Organisationen vor.

Methode: Um dieses Engagement grundlegend zu erfassen und zu beschreiben, führten wir eine Online-Befragung unter 150 Akteuren durch bzgl. deren Organisationsform, ihres Engagements, ihrer erklärten Motivation und Zukunftsperspektive.

Ergebnisse: Wir konnten mehr als 200 Organisationen identifizieren, die im Internet von unterstützenden Aktivitäten in Afghanistan berichteten. Jedoch stellte sich heraus, dass eine beträchtliche Anzahl nur für kurze Zeit in Afghanistan aktiv ist oder nicht kontaktierbar war. Knapp zusammengefasst lässt sich das Engagement als motiviert, transnational situiert, heterogen und kaum vernetzt beschreiben.

Von den an dieser Umfrage teilnehmenden Organisationen sind die meisten als eingetragener Verein oder Nicht-Regierungs-Organisation registriert mit unterschiedlicher Mitgliedergröße (meist unter 26) und erheblich variierender Mitarbeiter_innen-zahl (0-2000). In der Zusammensetzung der Gründungsmitglieder spiegelt sich ein hohes Engagement der Exil-Afghan_innen wider. Insgesamt werden alle Regionen von Personen aus Deutschland unterstützt, jedoch kumuliert sich das Engagement in größeren Städten und die meisten Organisationen haben eine starke Fokussierung auf eine Region und wenige aber vielgestaltige Projekte. Die gängigste Unterstützungsform ist finanzielle Zuwendung, Training und fachliche Beratung sowie Koordination und Sachspenden. Der am häufigsten angeführte Motivationsgrund ist zum Wiederaufbau beizutragen und Menschen in Not zu unterstützen.

Engagement-Bereich: Die Haupt-Zielgruppe des Engagements sind Frauen und Kinder und die Sektoren, in denen großes Engagement gezeigt wurde sind Bildung und Gesundheit.

Die Organisationen bringen sich in die Bereiche Verbesserung des Bildungssystems, die Ausstattung und Equipment an. Hierbei stehen praktische Hilfen wie der Bau von Klassenräumen und die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien im Vordergrund, aber auch die Verbesserung des Schulmanagements, der Transport der Lehrpersonen/Schülerinnen, die finanzielle Unterstützung der Schülerinnen und die Verbesserung des Schulcurriculums. Der Fortbildung des Lehrpersonals wird ebenso viel Raum gegeben.

Mit Blick auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen gaben die Organisationen an, dass sie trotz der sich verschlechternden Sicherheitslage und Beeinträchtigungen durch Korruption, Hoffnungslosigkeit, schlechte Regierungsführung und schlechter werdender wirtschaftlicher Situation ihr Engagement fortführen würden, da sie über gute Kontakte vor Ort verfügten und sichtbare Erfolge verzeichnen konnten.

Befragt nach den Bereichen, in welchen zukünftig von Deutschland herkommend Engagement in Afghanistan geleistet werden könnte, heben sie vorrangig die Bedeutung der beruflichen und schulischen Bildung sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft hervor, legen jedoch zugleich einen großen Wert auf die Versorgung mit Wasser und auch das Engagement im Sicherheitsbereich.

Diskussion/Schlussfolgerung:

Das Engagement in Afghanistan von in Deutschland lebenden Personen ist getragen von humanitären Gründen, ungebrochen hoch und erstreckt sich auf viele Bereiche wobei ein Schwerpunkt auf besonders ‚vulnerablen‘ Gruppen wie Frauen und Kinder liegt. Ob und wie diese ’empowerten’ Zielgruppen ihre Zukunft gestalten können, hängt jedoch stark von den politischen, geographischen und sicherheitsbezogenen Rahmenbedingungen ab. Daher ist es von großer Relevanz, dass die Unterstützung des Einzelnen und die Verbesserung der Kontextfaktoren Hand in Hand gehen.

Publikationen:

Ein Sammelbandartikel dazu finden Sie hier.