ELMi: eHealth Literacy und Gesundheit von Minoritäten

eHealth Literacy und Gesundheit von Minoritäten: Eine ethnographische Untersuchung zum gesundheitsbezogenen Nutzen von neuen Medien unter benachteiligten Jugendlichen mit afghanischem Migrationshintergrund

Hintergrund
Das Forschungsprojekt ELMi wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert [Förderkennzeichen: 01EL1424E) und ist Teil des bundesweiten Forschungsverbundes „Gesundheitskompetenz im Kindes- und Jugendalter als Ziel der Gesundheitsförderung“ (Health Literacy in Childhood and Adolescence (HLCA)). Ziel des Forschungsverbundes ist die Entwicklung, Erprobung und der Praxistransfer von zielgruppenspezifischen, evidenzbasierten und qualitativ hochwertigen Maßnahmen zur Verbesserung der Health Literacy (Gesundheitskompetenz) und der Gesundheit von Heranwachsenden.
Die Nutzung neuer Medien, Smartphones, Social Media, etc. sind aus dem Alltag von Jugendlichen kaum noch wegzudenken (digital natives). Sie ermöglichen einen Informationszugang für nahezu jeden, zumindest theoretisch.

Aktuelle Forschungsergebnisse zum Gesundheitsverhalten von Jugendlichen haben aber gezeigt, dass die Gesundheit, das Sozialverhalten und die Gesundheitskompetenzen sich deutlich nach Geschlecht, sozioökonomischem Status und Migrationshintergrund bzw. ethnischer Zugehörigkeit unterscheiden. Dies legt die Vermutung nahe, dass ebenfalls (ziel-)gruppenspezifische Unterschiede in der Nutzung von Social Media mit ungleichen gesundheitlichen Konsequenzen bestehen. Es gibt allerdings kaum Kenntnisse über den gesundheitsbezogenen Einsatz von Social Media bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Allgemeinen und bei minderjährigen Geflüchteten im Alter zwischen 14 und 17 Jahren mit afghanischem Migrationshintergrund im Besonderen.

Ziel
Das Hauptziel des ELMi-Projektes war es, wie die alltägliche Nutzung des Smartphones in Hinblick auf die Nutzung von Gesundheitsinformationen oder digitalen Angeboten (Health Apps) bei benachteiligten Jugendlichen genau funktioniert.
Die wichtigsten Forschungsfrage lautete dabei: Wie ist das konkrete Zusammenspiel zwischen der Handynutzung und unterschiedlichen Gesundheitsdimensionen bei Jugendlichen mit afghanischer Flüchtlingsgeschichte? An welchen Stellen ist das Smartphone im Alltag gesundheitsförderlich, an welchen gesundheitsschädlich?

Methode
Das ELMi-Projekt stellte eine ethnographische Studie dar, in der zwei Jugendliche mit afghanischem Migrationshintergrund, innerhalb von drei separaten Feld- und Analysephasen, in ihrem Alltag begleitet wurden. Eingebettet war diese Ethnografie in eine Art Milieustudie von  Flüchtlingswohnheimen in einer süddeutschen Großstadt.

Ergebnisse

Im Rahmen unserer engen alltäglichen und außerschulischen Begleitung zweier afghanischer jugendlicher Flüchtlinge wurde zunächst deutlich, dass die Jugendlichen im Sinne Aaron Antonovskis über viele positive Kompetenzen verfügten, die zu den Resilienzfaktoren zu zählen sind. Darüber hinaus wurde deutlich, dass ein individualistisches Konzept von Jugendgesundheit an der Realität zumindest der beiden begleiteten geflüchteten afghanischen Jugendlichen vorbeiläuft und stattdessen stärker auf Familiengesundheit rekurriert werden müsste. Das wird vor allem dadurch deutlich, wenn ein Jugendlicher in einer Feldphase Gesundheit definiert als Zustand, in dem es seiner Familie gut geht. Schließlich lässt sich festhalten, dass Smartphones sehr ambivalent mit Gesundheit im Alltag in Verbindung stehen – sie sind zum einen etwa durch Übersetzungsprogramme hilfreich für den Erwerb der Sprache und damit zur Orientierung im Zielland. Damit liefern sie unmittelbare gesundheitsförderliche Potenziale. Andererseits konnte beobachtet werden, dass die (extensive) Smartphone-Nutzung den ohnehin weit verbreiteten Schlafmangel bei Jugendlichen (verstärkt in, aber auch außerhalb von Flüchtlingsunterkünften) befördert.

Projektleitung ELMi:
Für die Leitung des Teilprojektes „ELMi“ war Herr Prof. Dr. Uwe H. Bittlingmayer von der Pädagogischen Hochschule zuständig.

Projektleitung HLCA-Verbund:
Koordinator und Projektleiter des Verbundprojektes HLCA ist Herr Prof. Dr. Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld, Fakultät Erziehungswissenschaft, AG: Sozialforschung. Der Forschungsverbund setzt sich aus drei Arbeitsblöcken zusammen, die wiederum in jeweils drei Projekte untergliedert werden: Health Literacy Grundlagenforschung, mentale Health Literacy und elektronische Health Literacy (mehr Informationen unter: www.hlca-consortium.de).
Klicken Sie auf den folgenden Link für die Ergebnisse, die noch unvollständig sind; nicht zuletzt deswegen, weil auch nach der ethnografischen Feldphase sowie den Interviews (neue) Hintergrundinformationen zutage kommen, die einer Uminterpretation bzw. einer Neubetrachtung der empirischen Befunde bedürfen:

Projektrelevante Vorträge und Publikationen