Gesundheitsförderung in Afghanistan

Hintergrund: Gesundheit ist ein sehr komplexes und von vielfältigen Aspekten beeinflusstes Thema sowie der Gesundheitszustand lassen sich nicht auf eindimensionale Zusammenhänge zurückführen. Doch gerade in einem Land wie Afghanistan in dem die Mütter- und Kindersterblichkeit sehr hoch ist sowie übertragbare Erkrankungen sehr verbreitet sind, ist es hilfreich den Versuch zu wagen, die Gesundheitsaspekte allgemein genauer zu begreifen und mögliche Ansatzstellen zur Verbesserung der Gesundheit, wie bspw. die Gesundheitskompetenz zu identifizieren. Im Rahmen einer kleinen Studie (Master-Arbeit) haben wir die aktuelle gesundheitliche Situation und die Rahmenbedingungen unter Einbezug quantitativer Daten beleuchtet, gesundheitsbezogene Interventionen analysiert, sowie die Ausgestaltung von gesundheitsförderlichen Interventionen und der Versorgung durch qualitative Interviews mit lokalen Experten durchgeführt wie auch eine Gesamtschau an Gesundheits-relevanten Faktoren zur Förderung von Gesundheit in Afghanistan entwickelt. Forschungsleitend war die Frage: Wie gestaltet sich die Gesundheitsförderung in Afghanistan und welche Ansätze haben sich als vielversprechend aus welchen Gründen erwiesen?

Methodik: Diese Mixedmethod-Studie umfasste sowohl Literaturrecherche (von Forschungsliteratur als auch grauer Literatur von Akteuren in Afghanistan), weiterhin wurden 29 Interviews geführt sowie von 22 Organisationen Rückmeldungen zu ihrem gesundheitsbezogenen Engagement in Afghanistan analysiert.

Ergebnisse: Die Datenlage zur Gesundheit in Afghanistan wie auch das Angebot von gesundheitsbezogenen Interventionen ist sehr gering sowie von der spezifischen Situation in jeder Region abhängig (etwa im Hinblick auf die Sicherheitslage, die medizinische bzw. Gesundheitsversorgung oder die Verfügbarkeit von materiellen Ressourcen etc.). Unzählige Akteure (v.a. NGOs) sind involviert und haben Programme in vielen Bereichen entwickelt. Angesichts der Gesamtsituation ist es von größter Bedeutung, dass es Angebote vor Ort sind, die von vertrauenswürdigen Personen, langfristig mit guter Qualität durchgeführt werden. Relevant sind weiterhin gender- und religionssensible Angebote sowie die Ansprache von den Entscheidungsträgern in der Familie (bspw. der Haushaltsvorsteher oder die Schwiegermutter) und die Weitergabe von gesundheitsbezogenen Informationen von Person zu Person.

Schlussfolgerung: In den vergangenen 15 Jahren wurden sehr viele Interventionen entwickelt und umgesetzt, jedoch wurden viele aufgrund von finanziellen, politischen oder persönlichen Situationen nicht fortgeführt wurde die in der Regel projektförmige Anlage führten zu erheblichen Einschränkungen in der nachhaltigen Implementierung der Maßnahmen. Entscheidend aus unserer Sicht ist es, bestehende, bewährte Angebote fortzuführen, am Gesundheitswesen anzusetzen, lokale, vertrauensvolle Personen fortzubilden und weitere Wege – wie settingsbezogene Strategien bspw. schulische Gesundheitsförderung zu verfolgen.

Publikation, Vorträge:

  • Davo-Tagung 2016 in Tübingen. Vortrag

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