Health Literacy in Ghazni, Afghanistan

Hintergrund: Weltweit zeigen Studien, dass der Gesundheitszustand in Zusammenhang mit der Gesundheitskompetenz (Health Literacy) der Individuen steht. Praktiker_innen in Afghanistan betonen, dass die Gesundheitskompetenz der Afghanen sehr gering ist und ein großer Bedarf an gesundheitlicher Aufklärung besteht. Erschwert wird die Situation in Afghanistan einzuschätzen, dadurch, das kaum valide Daten vorliegen und die gesundheitswissenschaftliche Forschung sich meist auf die größeren Städte beschränkt, entlegenere Regionen schwer zugänglich sind und seltener erforscht werden.

Methodik: Unter hohem Einsatz und in enger Kooperation mit unseren externen Forschungspartnern aus Afghanistan wurde eine erste quantitative Studie zur Gesundheitskompetenz von Personen in Ghazni, Afghanistan mit einem weltweit eingesetzten Instrument, dem HLS-EU-Q16 erforscht. Dabei wurden ebenso die Lebensqualität sowie zahlreiche Rahmenbedingungen und Gesundheitspraktiken einbezogen.

Auf der Grundlage zweier multi-strategischen, randomisierten Sampling-Methoden haben wir zwei differenzierte Sample erzeugt: einerseits interviewten wir männliche Haushalts-Vorstehende in den Dörfern, andererseits Patientinnen oder ihre weiblichen Begleiterinnen in einem Krankenhaus in Ghazni. Zwei männliche und zwei weibliche trainierte Interviewer führten mündlich insgesamt 824 Interviews mit Personen aus vier Distrikten in Ghazni Provinz durch. 502 Männer und 322 Frauen nahmen an der Studie teil.

Ergebnisse: Das Gesundheitskompetenzlevel gemessen durch den HLS-EU-Q16 ist auch in internationalen Maßstab vergleichsweise gering in Afghanistan. Die Verhaltens-Indikatoren zeigten bspw. dass es weit verbreitet ist, dass Frauen nach der Geburt bis zu zwei Tage warten, bevor sie ihr Kind mit Muttermilch stillen und bevorzugen zunächst die Ernährung mit Öl.

Wir konnten schwache bis mittlere Korrelationen zwischen dem Level von Gesundheitskompetenz und Determinanten sowie Verhaltensweisen identifizieren.

Überraschend war, dass entgegen dem vielfach belegten Zusammenhang von Bildungsniveau und Gesundheitskompetenz wir dies mit unseren Daten aus dem männlichen Sample empirisch nicht bestätigen konnten.

Schlussfolgerung: Diese Studie lieferte erstmalig Daten zur Gesundheitskompetenz in einer ländlichen Region in Afghanistan. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass in diesen Distrikten in Afghanistan der Bedarf an gesundheits-bezogenen Informationen hoch ist und eine bessere Gesundheitskompetenz relevant sind, um gesundheits-fördernde Verhaltensweisen zu verbessern. Umwelt- und einkommensgebundene Faktoren spielen eine große Bedeutung.

Es ist zu empfehlen, die Aufklärung über förderliche Verhaltensweisen zu verstärken und hierbei neu zu reflektieren, wie das Verhalten – unabhängig des Bildungsstandards – erfolgreich gelernt werden können. Erste Ansätze durch Gesundheitsbildung im Wartezimmer im Krankenhaus sind zu empfehlen und auszubauen.