SCURA – Gesundheitskompetenz-Förderung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Sprachkursen

Hintergrund: Eine gute Gesundheitskompetenz ist wesentlich um gute, gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Die Forschung zeigt, dass insbesondere neu zugewanderten Menschen wie bspw. Afghanen vor vielfältigen gesundheits-relevant empfundenen Herausforderungen stehen. Um im neuen Land die Gesundheits-Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können und auf neu aufgetretene Gesundheitsbelange reagieren zu können, ist eine Zielland entsprechende Gesundheitskompetenz notwendig. Zur Vermittlung dieser Gesundheitskompetenz können Sprachkurse eine wesentliche Rolle einnehmen.

Das Forschungsprojekt SCURA zielt darauf ab, die Responsivität eines Sprachschulsettings für die Kompetenzen und Belange der zugewanderten Menschen, insbesondere zugewanderte Menschen aus Afghanistan zu erforschen und zu verbessern. Hierbei werden die Menschen als mit vielfältigen Ressourcen ausgestattete Personen begriffen, und analysiert, wie diese Ressourcen und die gesundheitsrelevanten Themen im Unterricht vermittelt und gestärkt werden.

Methoden: SCURA schließt sowohl ethnographische Forschungsmethoden als auch partizipative Interventionsentwicklung ein. Zunächst wurden umfassende Literaturrecherchen zum Thema Gesundheitskompetenzförderung in Sprachkursen und Gesundheitsinterventionen für Geflüchtete/Zugewanderte in Deutschland sowie translingual Gesundheitskompetenz angefertigt. Ferner wurden Interviews mit Lehrkräften und Teilnehmenden geführt sowie das Unterrichtsgeschehen teilnehmend beobachtet. In einem nächsten Schritt werden mit zugewanderten Menschen gemeinsam Unterrichtsentwürfe entwickelt und eine Schulung für Dozent_innen in Sprach- und Integrationskursen sowie im Übergangssystem durchgeführt.

Vorläufige Ergebnisse: Gesundheitsthemen sind sehr relevant für Kursteilnehmende und können sehr gut zur Steigerung der Motivation des Erlernens der Deutschen Sprache genutzt werden. Neben den Kursinhalten und der Methodik, sind jedoch vielfältige weitere Faktoren bedeutsam. Diese sind bspw.: der Auftrag des Kurses, Charakteristika der Teilnehmenden, Rollenverständnisse der Lehrende, Atmosphäre und Kooperation innerhalb des Kurses, das schulische Setting sowie die Rahmenbedingungen. Dozierende werden als Vertrauenspersonen wahrgenommen und dadurch über gesundheitliche Belange informiert. Jedoch ist eine Unsicherheit bzgl. des Umgangs mit den gesundheitlichen Belastungen der Kurs-Teilnehmenden als auch der Bedarf nach weiteren Unterrichtsmaterialien zu Themen wie Aufbau des deutschen Gesundheitssystem, Erste Hilfe aber auch kultur-sensible Adressierung von gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen (Ernährung und Bewegung). Insbesondere der Aspekte des ‚sich im Kurs wohlfühlen‘ und der Selbstwertstärkung sind entscheidend für die Gesundheit.

Schlussfolgerung: Die Studie identifizierte Chancen aber auch Limitationen der Adressierung und Förderung von Gesundheit(skompetenz) in Bildungssettings. Insbesondere die große Relevanz, die der Kommunikation über Gesundheits- und Krankheitsthemen in deutscher Sprache zukommt sowie die hohe Motivation bei Gesundheitsthemen sprechen dafür, dass dieser Thematik mehr Raum gegeben werden sollte. Bislang noch zu wenig erforscht ist die Rolle der zwei (oder drei) Sprachen und Kulturen aus denen die Personen kommen für die Entwicklung und Förderung von translingual, kultursensibler Gesundheitskompetenz.

Projektleitung SCURA:
Für die Leitung des Teilprojektes „SCURA“ ist Herr Prof. Dr. Uwe H. Bittlingmayer von der Pädagogischen Hochschule zuständig.

Projektleitung HLCA-Verbund:
Koordinator und Projektleiter des Verbundprojektes HLCA ist Herr Prof. Dr. Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld, Fakultät Erziehungswissenschaft, AG: Sozialforschung. Der Forschungsverbund setzt sich aus neun Teilprojekten zusammen (mehr Informationen unter: www.hlca-consortium.de).